Der nächste Branchenriese in unserer neuen Serie ist einer den viele lieben, einige hassen aber die allermeisten kennen. Kaum eine Firma, egal welcher Branche hat sich in so kurzer Zeit auf so großer Bühne etabliert wie das Amerikanische E-Commerce Versandhaus „Amazon“.

Die einen freuen sich über kostenlose Expresslieferungen und konkurrenzfähige Preise, die anderen gehen aufgrund zu niedriger Löhne und Marktmachtmissbrauch auf die Barrikaden. Doch was ist an all dem wirklich dran, kann man bei Amazon überhaupt noch guten Gewissens bestellen, und woher kommt der überwältigende Erfolg der Goldgrube des inzwischen zweitreichsten Menschen der Welt Jeffrey Bezos?

Ein Blick hinter die Kulissen: Häufig stehen hinter großen Erfolgsgeschichten auch große Pleiten. Menschen mit unerschütterlichem Selbstvertrauen, die weitergekämpft haben und auch nach der zweiten oder dritten Niederlage immer wieder aufgestanden sind und nicht den Glauben an sich und ihre Idee verloren haben. Heldengeschichten eben.

Doch bei dem Informatiker Bezos war das anders: Eine Idee, ein Investor und scheinbar spielerisch leichter Erfolg. Welche Firma kann etwa von sich behaupten bereits im zweiten Geschäftsmonat fünfstellige Gewinne zu erzielen, oder als so junges Unternehmen schon in mehr als 45 Ländern vertreten zu sein? Das 1995 noch relativ neue Internet, und für innovative Formate offene Kunden machten dies für den Buchversand Amazon möglich. Keine Krisen oder Pleiten, nur rasantes Wachstum.

Die Erfolgsgeschichte setzte sich fort, und so gelang es Amazon bereits im zweiten Geschäftsjahr, 1996, über 15 Millionen US-Dollar Umsatz zu erzielen. Ein weiteres Jahr später schloss die Bilanz mit 147,8 Millionen Dollar Jahresumsatz.

Doch auch in dieser Phase wusste die Führungsriege bei dem „Wunderkind“ Amazon dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Anstatt sich auf den gewonnenen Lorbeeren auszuruhen wurde also kräftig investiert. Telebuch.de, JOYO oder Zappos um nur einige Namen zu nennen gehörten zu den strategisch wichtigen Brücken die erobert werden mussten, um in neue Märkte mit großem Potential wie Deutschland, Spanien oder China vorzudringen. Der Rest ist Geschichte! Mit dem Wachstum der Marke stiegen auch die Investitionssummen. Kiva Systems, ein Anbieter für Lagerhausanimationen, dessen Name wohl ausschließlich Insidern etwas sagen dürfte, soll im Jahr 2012 für sage und schreibe 775 Millionen US-Dollar über den Ladentisch gegangen sein.

In der Folgezeit gelang es Amazon peu à peu mehr und mehr Land gegenüber der Konkurrenz zu gewinnen. Stetige Innovation, seit Beginn der Firmengeschichte, scheint der offensichtliche Grund zu sein. Die Ankündigung Logistikdrohnen benutzen zu wollen, die Vermarktung von Browserspielen, eigene Fernsehserien, einen Musik-Downloadshop, die Übernahme von Wholefoods in den USA… „Auf gar keinen Fall den nächsten großen Trend verpassen.“ scheint in der Amazon Managementebene die Maxime zu sein.

Jeff Bezos selbst formuliert es so: „Mein Unternehmen muss jeden Tag an Tag eins stehen – mit der Energie des Neubeginns, ohne sich je auszuruhen.“ Mit dem Drogeriekonzern Rossmann plant Amazon Medienberichten zufolge nun auch in Deutschland einen Kooperationspartner für den Schnell-Lieferservice „Prime Now“ an Land zu ziehen. Etwa 17.000 Artikel des täglichen Bedarfs wie tiefgekühlte Lebensmittel, Getränke, Obst oder Drogerieartikel wären dann in ausgewählten Großstädten innerhalb von zwei Stunden lieferbar – ganz ohne tieffliegende Drohnen.

Ein interessantes Konzept welches sicher vor allem Logistisch große Herausforderungen birgt. Doch einem Unternehmen welches wie jüngst im US-Bundesstaat Kentucky sogar einen eigenen Airport baut ist auch das zuzutrauen. Was als nächstes kommt? Amazon Automobil, Amazon Space… der Fantasie scheinen derzeit keine Grenzen gesetzt, lassen wir uns überraschen.

Uns Logistik Experten wird es in den nächsten Jahren jedenfalls nicht langweilig! In diesem Sinne: Zurück an die Arbeit…